The Artist

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Ein Interview mit Ann Catherine Herrmann, anlässlich der Eröffnung ihrer virtuellen Ausstellung.

 

Webmaster: „Du hast viele Bilder von engen Freundinnen und Freunden gemacht. Warum malst Du Portraits?"

Ann Catherine: „Es geht mir nicht darum, ein Portrait zu machen, sondern um meine Freunde. Auch vor allem um eine Farbidee, die ich umsetzen will. Ich könnte natürlich auch etwas anderes malen, um zum Beispiel bestimmte Farbkontraste darstellen zu können. Aber meine Freunde sind mir sehr wichtig und ich male lieber sie."

Webmaster: „Was sagen denn die Portraitierten zum fertigen Bild?"

Ann Catherine: „Die Leute, die ich male, fühlen sich immer sehr getroffen in ihrem Wesen und ihren Gefühlen, obwohl sie gar nicht realistisch gemalt sind. Manche sind regelrecht erschüttert, wenn sie das erste Mal vor ihrem Bild stehen. Keine Ahnung, wie ich das immer hinkriege, denn es geht mir ja nicht um Gefühle, sondern um Farben und Komposition. Dieser Moment ist sehr schön und spannend, wenn die Menschen dann das erste Mal vor Ihrem Bild stehen. Aber ich bin dann natürlich auch sehr nervös."

Webmaster: „Malst du ausschließlich Deine Freunde oder auch andere Menschen?"

Ann Catherine: „Angefangen habe ich mit Selbstportraits. Dann habe ich lange Zeit ausschließlich meine Freunde gemalt. Danach begann ich einige Arbeiten über Menschen, die mich faszinieren. Aber auch dies waren Personen, die mir sehr nahe stehen, die mir vertraut erscheinen, obwohl ich sie nicht persönlich kenne."

Webmaster: „Gibst Du darum den Arbeiten, etwa über Truman Capote oder Virginia Woolf Titel, die nur aus deren Vornamen „Truman" oder „Virginia" bestehen?"

Ann Catherine: „Ich käme niemals auf die Idee, etwas anderes als Titel zu wählen. Für mich sind das Freunde, ich duze sie auch in Gedanken."

Webmaster: „Wie muss man sich Deine Arbeit vorstellen, wie gehst Du vor?"

Ann Catherine:„Alle meine Arbeiten entstehen nach Fotos, die ich selbst aufnehme. Ich greife nur in Ausnahmefällen auf bereits vorhandenes Fotomaterial zurück. Und natürlich bei berühmten verstorbenen Menschen wie Truman oder Virginia, da stöbere ich dann in Büchern nach geeigneten Fotos."

Webmaster: „Nun ein Abstecher zu Deinen früheren Arbeiten. Du hast mir erzählt, dass Deine ersten „ernsthaften" Arbeiten kleine Figuren, vor allem eine katzenartiges Wesen, waren. Wie kamst Du darauf?

Ann Catherine: „Auf die Gefahr hin, dass Du mich für übergeschnappt hältst: Das erste ernst zu nehmende Katzenbild habe ich vor mir gesehen. Große Wesen, die auf mich zukommen. Ein Psychologe hat mir dann mal erklärt, dass das wahrscheinlich Wahrnehmungen von mir als Säugling im Kinderwagen waren, also Menschen, die sich auf mich zu bewegten."

Webmaster: „Dann waren Deine früheren Arbeiten nicht so sorgfältig geplant wie die später entstandenen Portraits?"

Cath: „Ich habe früher, noch ohne irgendwelche Ambitionen, schnelle kleine Zeichnungen mit Wachskreiden gemacht. Daraus habe ich dann später Figuren entnommen und vergrößert. Man kann also sagen, dass die Grundlagen intuitiv entstanden, dass Bild jedoch bewusst angelegt ist. Und dahin will ich auch wieder zurück, was die Arbeitsweise betrifft. Wieder etwas wilder, weniger geplant, eine Mischung aus intuitiv und bewusst gestaltet."

Webmaster: „An der Akademie hast Du einige Adlerbilder gemacht. Warum dieses Thema?"

Ann Catherine:„Ohne Begründung, einfach weil mir das Tier gefällt. Außerdem konnte ich mich da so richtig austoben, mit Schnabelformen etc. Da ich technisch nicht sehr gut bin, muss ich ein Motiv ein paar Mal zeichnen oder malen, bevor es richtig sitzt und so entstehen dann Reihen und ich werde freier. Ein Adlerbild habe ich nach einem Traum gemalt. Ich träumte von drei weißen Adlern, die neben einem schwarzen sitzen und das habe ich dann gemalt. Es geht mir nicht um Inhalte bei meinen Bildern, sondern einfach darum, ein gutes Bild zu machen. Ich habe an der Akademie auch mal eine Ratte gemacht, da waren einige Leute verwundert. Die Ratte sitzt vor einem Kreis, der eine Sonne oder auch das Ende eines Tunnels sein könnte. Mir ging es nur um den Bildaufbau, um die Farben und Kontraste. Ich wurde durch ein Zeitungsfoto dazu angeregt, und auf diesem Foto saß eben eine Ratte. Die Symbolik interessiert mich wenig."

 

 


 

 

Anne-Catherine Kuhn zeigt Portraits und fängt Momente ein:

 

"Köpfe" in der Sparkasse

 

Karlsruhe – Grüne Lippen, blaue Haare, roter Teint. Den Blick herausfordernd auf den Betrachter gerichtet oder träumend in sich gekehrt. Einen fernen Punkt fixierend oder gedankenverloren vor sich hinschauend. Kraftstrotzende verschwenderische Farbkompositionen, dann wieder fein nuancierte Schattierungen. Äußerst intim muten die Portraits der Malerin Anne-Catherine Kuhn an. Die Vielschichtigkeit jeder dargestellten Person, in Form ihres Portraits, ist auf das Gemälde gebannt. Eingefroren und doch äußerst lebendig scheinen die Gesichter den Betrachter in einen Dialog zu verwickeln. Geschichten aus ihrem Leben zu erzählen.

Bis auf wenige Selbstportraits malt die Künstlerin hauptsächlich Freunde, engste Freunde. Sie entstehen jedoch nicht, wie man glauben könnte, in intimster Atelieratmosphäre. Kuhn malt nach Fotos. Mitunter schießt sie mehrere Filme, bis sie mit dem Ausdruck zufrieden ist, das Foto ihren konkreten Vorstellungen entspricht. Denn Kuhn überlässt nichts dem Zufall. alles ist fein säuberlich geplant. Von der Farbkomposition über die Haltung, die Mimik bis zur Platzierung auf dem Bild.

 

Lebendige Momentaufnahmen

 

Vom Fotorealismus ist sie allerdings weit entfernt. Sie hat auch nicht den geringsten Anspruch auf naturalistische Abbildungen. Vielmehr sind die Gesichter Dokumente innigster Freundschaften und Beziehungen. Ihre Zuneigung zu den gemalten Personen spielt eine überaus große Rolle. Und doch entzieht sie sich dem Wechselspiel, dem eigendynamischen Dialog, der im Atelier zwischen Maler und Modell entstehen kann. Ihre eigene Idee möchte sie umsetzen und keine, ihre Malweise beeinflussende Atmosphäre schaffen.

„Du hast genau meinen Gefühlszustand gemalt. Meine Lebenssituation eingefangen." Das ist das einstimmige Feedback ihrer Freunde. Sie beschäftigt sich eingehend mit ihnen. Macht sich ein umfassendes Bild und pickt dann Momente aus dem Leben ihrer Freunde heraus, in Form von Fotos. Momente, Gesichtsausdrücke, die für die Künstlerin stimmig sind und dem Betrachter keineswegs verborgen bleiben. Sei es bei den älteren Gemälden, die durch ihre monochromen Farbflächen, die starre, maskenhafte Zweidimensionalität bestechen oder die jüngeren Arbeiten, mit ihren farbenfrohen dreidimensionalen Gesichtern. Sie erschafft ihre Freunde neu, verwandelt sie – durch ihren Blick. Und doch sind sie ganz und gar sie selbst, nur in einen neuen Kontext gestellt.

Die Sparkasse scheint für diese Arbeiten genau der richtige Rahmen zu sein. Das „Menschliche" unter Menschen. Keine anspruchsvolle Kunst für einen kleinen, ausgesuchten Kreis. Keine „hyperintellektuellen Gedankenüberhänge". Eine Kunst für jedermann, da Bekanntes, Irdisches, Verständliches dargestellt ist. Gefühle werden ausgedrückt und somit findet der Betrachter einen Zugang zu den Arbeiten.

 

 

ka-news 5. Juli 2002

 

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