Der Künstler

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Lothar Brix

 

 

Dr. Rainer Blessing über Lothar Brix

anlässlich einer Ausstellungseröffnung im Forum für Zeitgenössische Kunst in Worpswede (2.6.2003):

"Eine Linie schlängelt sich diagonal durch das Bild. Der freie Bildraum verleiht ihr Behauptungskraft. Trotz der hellen Farbigkeit besitzt die krustige Oberfläche Schwere und physische Präsenz. Die Linie hat wie selbstverständlich ihren Weg durch die pastöse, schrundige Farblandschaft gefunden. Wie eine Blutbahn unter einer Haut lässt sie an einen Körper, an organisch Gewachsenes denken. Man könnte in dem reliefartigen Bild auch ein Mauerstück sehen, in das die Witterung Risse eingeschrieben hat, in dem die Farbhülle aufgeplatzt ist und in dem Hitze und Nässe, der Wechsel der Jahreszeiten verschiedene Farbwerte haben entstehen lassen...

In den Bildern von Lothar Brix scheint das Material selbst zu sprechen. Wir wissen natürlich, dass diese Ansprache das Ergebnis einer kompositorischen Setzung ist. Sicher nicht die malerische Exekution eines vorab konzipierten Bildentwurfs und auch nicht eine écriture automatique, die den Weg der Malwerkzeuge der Psyche entäußernden Eigenbewegung des Künstlerkörpers überlässt. Solch ein Bild entsteht eher in der prozesshaften Auseinandersetzung mit zeichnerischen Elementen, die aus den Diensten von Abbild, Beschreibung und Erzählung befreit ist...

So entfalten sich die emotionalen Werte von Linien und der stoffliche Gehalt von Farbflächen durch die Formlösung selbst: in der Wahl des Untergrunds und der Malwerkzeuge, über die Transparenz oder Dichte der Farbhaut, über Schwere und Zartheit des Farbmaterials, über schmale oder breite Strichführung. Das Bildnerische ist frei von begrifflichen Umwegen. Die Sinne des Betrachters werden direkt angesprochen, und der Künstler kann davon profitieren, dass sich unsere Wahr-nehmungswege durchaus abseits der gewohnten Wege aktivieren lassen...

Die neueren informellen Arbeiten von Lothar Brix unterscheiden sich auch deutlich von einer vorangegangenen Werkphase, in der der Künstler einen von ihm selbst so genannten cineastischen Realismus ausbildete. Es entstanden vorwiegend menschenleere Interieurs, die von einer künstlichen, geheimnisvollen Atmosphäre bestimmt sind. Möbel treten darin als Stellvertreter für die Bewohner auf, durch Fenster fällt hartes Licht, offene erzählerische Momente sind in energetisch aufgeladene Kulissen und eine schillernde Lichtdramaturgie gesetzt. So realistisch diese Interieurs als Seelenräume auch wirken, manche Gegenstände besitzen eine bewegte, schon fast reliefartige Oberfläche und damit Körperlichkeit und Geschichte...

Bleibt noch zu erwähnen, dass Lothar Brix auch Musiktheoretiker, Musiker und Komponist ist, der sich in der Praxis wenig um Schul- und Epochengrenzen schert, der das kantable Motiv, die Tonalität, impressionistische Klangschichten oder die klassische thematische Arbeit zur Genusssteigerung keineswegs verschmäht. Nun gibt es ja diese synästhetischen Vorstellungen vom Klang der Bilder und von Bildern der Klänge. Wahrscheinlich ist es aber eher so, dass jemand, der sich in verschiedenen künstlerischen Sprachen ausdrückt, bewusster aus einem reicheren Instrumentarium schöpfen kann, dass sich für ihn weitere Empfindungshorizonte öffnen und dass er differenziertere Skalen aktivieren kann. Brix selbst hat das Band zwischen all dem mal ganz einfach formuliert:

"Ich will immer eine ganz bestimmte atmosphärische Dichte, egal mit welchen Mitteln.""

 

 

 

 

Sophie Hopfe-Minnemann über Lothar Brix

in „Punkt-Kunst im Nordwesten" (3/99):

"Man könnte meinen, die Arbeiten von Lothar Brix stammten nicht von demselben Künstler. Auf der einen Seite realistische Sujets, cineastisch anmutende Interieurs, einsame, oft menschenleere Stadt- und Landschaftszenarien, lange Schatten, extreme Hell-Dunkel-Kontraste ...auf der anderen Seite der Bereich seiner ungegenständlichen informellen Werke, Assemblagen und skurrilen Mischformen.....

Hier wird die Materialität zum wesentlichen Moment der künstlerischen Aussage. Durch das Einbeziehen verschiedenster stofflicher Elemente gelingen Brix reliefartige Oberflächenstrukturen, die in mono-chromen Partien an mürbe Mauern erinnern. Solche Strukturen üben in ihrer rauen, spröden, oft mit eingeritzten hieroglyphen-ähnlichen Zeichen ver-sehenen Stofflichkeit einen geheimnisvollen Reiz auf den Betrachter aus. Das Reliefartige, das haptisch Nachvollziehbare verbindet sich mit dem Eindruck von Archaischem mit den Spuren der Vergänglichkeit."

 

Günter Demin über Lothar Brix

in einem Feature in Radio Bremen über „Künstler in der Region"

„Eine Kunst, die in skeptischer Klugheit nicht mehr Sinnvermittlung suggeriert, sondern minimalistisch auf Spaß im Diskurs mit dem Betrachter setzt."

 

 

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